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Fakultät Raumplanung

Räumliche Struktur und Governance der urbanen Verdichtung – zwischen raumplanerischem Gestaltungsanspruch und Marktsteuerung

Projektziele:

Urbanisierung wurde bislang vornehmlich als räumlich-demographischer Expansionsprozess verstanden, während die innere Verdichtung bereits urbanisierter Gebiete lange Zeit weitaus weniger Beachtung fand. Obwohl dem empirischen Phänomen der urbanen Verdichtung in jüngerer Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit zuteilwurde, ist über die morphologisch-funktionale Ausprägung sowie die sozioökonomischen Treiber und die stadtpolitische Gestaltung wenig bekannt. Internationale Studien legen nahe, dass ein nicht unerheblicher Teil der urbanen Verdichtung außerhalb des unmittelbaren Einflusses hoheitlicher Planung stattfindet – häufig getrieben durch marktgeleitete Entwicklungen. Auch aufgrund einer bislang unzureichenden Datenbasis ist über die konkreten Eigenschaften dieser Prozesse aber wenig bekannt. Mithilfe neuer hochauflösender Fernerkundungsdaten sowie der Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz gilt es, diese Wissenslücken zu füllen. Im Zentrum steht dabei nicht nur die quantitative Erfassung von Verdichtungsdynamiken, sondern auch deren institutionelle Einbettung in die Stadt- und Bauleitplanung.

 

Im Forschungsvorhaben werden verschiedene Arbeitsschwerpunkte gesetzt. Das Fachgebiet STE bearbeitet hierbei die folgenden zwei Arbeitspakete:

1. Governance der Verdichtung:

Anhand von sechs deutschen Städten wird untersucht, wie die Governance-Strukturen der Verdichtung ausgestaltet sind und welche Planungsinstrumente zur Steuerung eingesetzt werden. Analysiert wird, in welchem Maße Innenentwicklung und Verdichtung als langfristige kommunalpolitische Ziele verfolgt werden und welches strategische Vorgehen dabei zum Tragen kommt. Grundlage bilden stadtpolitische und planerische Dokumente, aber auch die organisatorische und instrumentelle Implementation in den Kommunen. Für die sechs Städte werden alle Bauleitpläne und relevanten städtebaulichen Entwicklungskonzepte erfasst und mittels einer Inhaltsanalyse ausgewertet. Auf Basis dieser Analysen sowie durch ergänzende Interviews wird in diesem Arbeitspaket geprüft, inwieweit Verdichtungsprozesse planerisch intendiert sind und wie erfolgreich die Implementation zur Erreichung kommunaler Ziele verläuft.

2. Empirische Analyse realer Verdichtungsprozesse

Zudem werden die mittels des vom Kooperationspartner DLR trainierten KI-Modells gewonnenen Ergebnisse zur Klassifikation von Gebäudeobjekten im urbanen Raum einer vertiefenden Analyse unterzogen. Dabei wird zwischen „harten“ und „weichen“ Formen der Verdichtung unterschieden. In Kombination mit den Untersuchungsergebnissen aus dem vorherigen Arbeitspaket sind Rückschlüsse auf Art und Maß der planerischen Steuerung möglich. Im Ergebnis können für die Städte spezifische Steuerungsmodi abgeleitet werden. Zugleich wird überprüft, inwieweit die planerische Steuerung mit dem tatsächlichen Ausmaß der Verdichtung zusammenhängt.

Projektlaufzeit:

01.01.2026 – 30.06.2028

Fördermittelgeber:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Förderkennziffer:

SI 932/18-1

Kooperationspartner:

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR),

 

Prof. Dr. Hannes Taubenböck

Ansprechpartner

Prof. Dr. Stefan Siedentop (stefan.siedentop@tu-dortmund.de)

Maximilian Schartmann, M.Sc. (maximilian.schartmann@tu-dortmund.de)